Wasser- und Schifffahrtsverwaltung des Bundes


Wasser- und Schifffahrtsamt Uelzen

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Inhalt: Brücken

Allgemein

Zur Überführung von Straßen, Wegen und Eisenbahnlinien kreuzen 385 Brücken den Mittellandkanal (MLK) und seine Stichkanäle sowie 69 Kreuzungsbauwerke den Elbe-Seitenkanal (ESK). Von diesen genannten Kreuzungsbauwerken befinden sich 120 Brücken im Zuständigkeitsbereich des Wasser- und Schifffahrtsamtes Uelzen (WSA Uelzen). Diese Brücken befinden sich am MLK von Meine bei Braunschweig bis Meitzendorf bei Magdeburg und am ESK von Calberlah bei Wolfsburg bis Artlenburg bei Lauenburg.

Die Brücken des ESK wurden zwischen 1968 und 1976 im Zuge des Kanalbaus neu errichtet, um die vorhandenen Verkehrswege wie Bundesstraßen, Landstraßen, Kreisstraßen, Sonderstraßen, Gemeinde- und Wirtschaftsstraßen, Fuß und Radwege sowie die Bahnlinien über den ESK zu führen (siehe Brücken über den Elbe-Seitenkanal).


Die im Zuge der Herstellung des MLK errichteten alten Brücken wurden zum größten Teil im Zuge des Kanalausbaus durch neue Bauwerke ersetzt. Mehr als 70 Jahre alte Brücken sind im Amtsbereich des WSA Uelzen nur noch vereinzelt am MLK zu finden. Auch diese Brücken werden in den kommenden Jahren durch Neubauten ersetzt (siehe Brücken über den Mittellandkanal).

Brücken über den Mittellandkanal (MLK)

Im Zuständigkeitsbereich des WSA Uelzen werden durch das Wasserstraßen-Neubauamt Helmstedt (WNA Helmstedt) insgesamt 50 Brücken an den Ausbau des MLK angepasst. Davon wurden bzw. werden:


Notwendigkeit der Maßnahme

Der Neubau der Brücken wurde aufgrund der Verbreiterung des Kanalbettes erforderlich. Außerdem war die Brückendurchfahrtshöhe bei den alten Brücken mit nur 4,00 m - 4,25 m für die moderne Schifffahrt zu gering. Diese Brücken konnten nur mit abgesenktem Steuerhaus passiert werden, wodurch die Sichtverhältnisse des Schiffsführers stark beeinträchtigt waren. Daher erhalten alle neuen Brücken eine Durchfahrtshöhe von mindestens 5,25 m über dem Kanalwasserspiegel.


Gestaltung der Brücken

Die architektonische Gestaltung der Brücken wurde in enger Zusammenarbeit mit dem Referat B 4 "Konstruktive Gestaltung der Bundesanstalt für Wasserbau (BAW)" festgelegt. Für die Brücken in Sachsen-Anhalt wurden 5 sogenannte "Brückenfamilien" gebildet. Die Brücken einer Familie weisen die gleichen Gestaltungselemente auf und kennzeichnen so räumliche Zugehörigkeiten. Für den MLK im Bereich der Stadt Wolfsburg, wurde auf Grund der unterschiedlichen innerstädtischen und topographischen Verhältnisse auf eine Brückenfamilie verzichtet.

Von Westen nach Osten wurden folgende Brückenfamilien gebildet:

Brückenfamilie Drömling:

Zu dieser Brückenfamilie gehören die Brücken Nr. 444 bis 456. Sie charakterisieren den Naturraum des Drömlings. Die Brücken sind durch folgende wesentliche Gestaltungselemente geprägt:


Brückenfamilie Calvörde:

Unter dieser Brückenfamilie sind die Brücken Nr. 460, 462 und 463 in der Ortslage Calvörde zusammengefasst. Kennzeichnende Konstruktions- und Gestaltungsmerkmale sind:


Brückenfamilie ‚W' bzw. ‚V':

Die Brückenfamilie wurde für Standorte außerhalb geschlossener Ortschaften zwischen Calvörde und Haldensleben gewählt. Die Bezeichnung ist aus der Gestaltung der Widerlager entstanden (breites Widerlager = ‚W', schmales Widerlager = ‚V'). Zu dieser Brückenfamilie gehören die Brücken Nr. 464 bis 469, die folgende Gestaltungsmerkmale aufweisen:
















Als gesondertes Bauwerk ist die Brücke Nr. 468 in der Ortslage Bülstringen hervorzuheben. Hierbei handelt es sich um die einzige Straßenbrücke in der Osthaltung, die auch als Neubau eine Fachwerkkonstruktion aufweist.


Brückenfamilie Haldensleben:

Unter dieser Brückenfamilie sind die Brücken Nr. 472 bis 476 in der Ortslage Haldensleben zusammengefasst. Die Brücken erhalten ein innenliegendes Tragwerk mit außen angehängtem Rad-/Gehwegbereich. Es wurden zusätzlich folgende Konstruktions- und Gestaltungselemente festgelegt:









Die Flora-Brücke Nr. 471 in Haldensleben nimmt ebenfalls eine gesonderte Stellung ein. Hierbei handelt es sich um ein Brücke für Fußgänger und Radfahrer, die einer Hängebrücke nachempfunden worden ist. Die Pylone symbolisieren ein Segel und unterstreichen den maritimen Charakter.


Brückenfamilie 'Hohe Dammstrecke'

Diese Brückenfamilie umfasst die beiden Brücken Nr. 4801 und 4801A, die in der hohen Dammstrecke östlich von Vahldorf liegen. Die Brücken werden als Stabbogenbrücken mit geneigten Hängern ausgeführt. Damit wird eine Brückenfamilie im östlichen Abschnitt des WNA Helmstedt geschaffen, die Gestaltungselemente aus dem Stadtbereich Hannover aufgreift.


Brücken über den Elbe-Seitenkanal (ESK)

Massivbrücken

Bei den von 1968 bis 1976 erbauten Brücken des Elbe-Seitenkanals nahm der Spannbeton als Konstruktionsbeton der überbauten eine wesentliche Stellung ein, so wurden alle Massivbrücken in der Spannbetonbauweise hergestellt.


Mit Hilfe dieses Bauverfahrens ist der Bau von eleganten Massivbrücken möglich gewesen. Die Ausführungen als Dreifeldbrücke ergab sich aus der Möglichkeit, zwischen dem Kanalbett und dem Betriebsweg Stützen (Pfeiler) anzuordnen. Der Querschnitt der Überbauten wurde ausgeführt als


Verbundbrücken


Beim Bau von Verbundbrücken wurde die Eigenschaft des Stahls und des Betons in einer anderen Weise als beim Spannbeton kombiniert. Wie in der Abb. Überführung der Landstraße 270 im Querschnitt dargestellt, sind die Längsträger aus Stahl und die obenliegende Fahrbahnplatte aus Beton hergestellt worden. Die kraftschlüssige Verbindung zwischen Stahl und Beton wurde über die auf den Stahlobergurten geschweißten Verbindungsmittel wie Dübel, Bügel oder Anker erreicht.


Hervorzuheben ist hierzu die Brücke Nr. 535, die im Zuge der L270 mit einer Gesamtstützweite von 192 m als längste Brücke über den ESK gebaut wurde.


Stahlbrücken


Die fünf Eisenbahnbrücken über den ESK wurden als reine Stahlbrücken errichtet. Auffallend ist hier zunächst der sehr elegante Stabbogen (Langerscher Balken), der erforderlichen Stützweiten von 70 bis zu 131,4 m ermöglicht. Während bei den Eisenbahnbrücken die beiden Stabbögen durch einen querliegenden Windverband miteinander verbunden sind (Abb. Überführung der DB-Strecke Lüneburg-Büchen, konnte bei einigen Straßenbrücken darauf verzichtet werden. Insbesondere bei sehr schiefwinkligen Brücken ergibt sich hierdurch ein außerordentlich guter optischer Eindruck (Abb. Überführung der Kreisstraße Lüder-Bodenteich).




Ein weiterer Stahlbrückentyp ist die Fußwegbrücke in Bad Bodenteich (Abb. Fußwegbrücke Bodenteich), die mit einem Hohlkastenquerschnitt über zwei Felder gespannt ist.

Ein anderes Beispiel einer Stahlbrücke ist die Stahl-Deckbrücke zwischen Walmstorf und Heitbrack (Abb. Überführung der Gemeindestraße Walmstorf-Heitbrack), dass heißt eine Stahlbrücke ohne darüberliegende Stahlkonstruktion. Die sehr geringe Bauhöhe ist hier durch Ausbildung einer orthotropen Fahrbahnplatte möglich geworden. Die sehr geringen Stützweiten in den Endfeldern reichten zum Aufbringen eines genügend großen Gegengewichts nicht aus, so dass die Enden des Überbaus in den Widerlagern auf Zug verankert wurden.



Bei einigen Brückenbauten wurde sogenannter wetterfester Baustahl verwendet. Diese Baustähle haben Legierungszusätze, die bei den gegebenen Umweltbedingungen die Bildung einer Schutzschicht ermöglichen, wodurch der darunterliegende Stahl vor weiterer Korrosion geschützt wird. Eine besondere Behandlung des Stahls bzw. das Aufbringen von einem Korrosionsschutz ist hier nicht notwendig.


Das sich jedoch die Schutzschicht nicht gleichmäßig bildet und Verfärbungen in der Oberfläche auftreten, wurde in einigen Fällen die Außenansichtsfläche der Stahlkonstruktion aus architektonischen Gründen mit einem farbigen Anstrich versehen.

Kanalbrücken ESK

Da die Lüneburger Heide als ein sehr wasserarmes Gebiet gilt, ist es überraschend zu erfahren, dass die Elbe-Seitenkanaltrasse 37 Gewässer kreuzen. Die großen und kleineren Wasserläufe - auch Vorflut genannt - müssen zur Sicherstellung der Entwässerung im bisherigen Umfang unter dem ESK hindurchgeführt werden. Aus diesem Anlass wurden für den ESK drei sogenannte Kanalbrücken errichtet, die das Gewässerbett des ESK über den entsprechenden Wasserlauf führen.


Dem Betrachter dieser Bauwerke fallen zunächst die markanten Stahl- (Abb. Kanalüberführung Ilmenau Nord und Süd) bzw. Betontröge (Abb. Kanalüberführung Aller) ins Auge. Diese bestehen aus einem Rechteck-Querschnitt von 42 x 5,50 m, wobei durch seitliche Auskragungen jeweils ein Betriebsweg von 3,50 m mitgeführt wird. Der jeweilige Trog hat mit einer Wassertiefe von 4 m etwa den gleichen Wasserquerschnitt wie das anschließende Trapezprofil des ESK.




An den Stahltrögen wurde zusätzlich zum aufgebrachten Schutzanstrich ein sogenannter kathodischer Korrosionsschutz installiert. Dabei wird das Metall der Opfer-Anoden an den Stromaustrittsstellen abgetragen. Hierdurch erhält die Konservierung an den Innenseiten des Stahltroges eine erheblich längere Lebensdauer. Dieser Vorteil ist deshalb so wichtig, weil eine Innen-Konservierung der Stahltröge nur bei einem entleertem Trog möglich ist.

Brückenprüfung

Sämtliche Brücken werden einer regelmäßigen Inspektion unterzogen. In der Bundesrepublik Deutschland regelt die DIN 1076 die technische Überwachung und Prüfung der Standsicherheit und Verkehrssicherheit von Brücken. Die regelmäßige Überwachung und Prüfung der Bauwerke hat den Zweck, eingetretene Mängel rechtzeitig zu erkennen und den Unterhaltungsträger dadurch in die Lage zu versetzen, sie zu beseitigen, bevor größerer Schaden eintritt oder die Verkehrssicherheit beeinträchtigt wird.

Die Bauwerksüberwachung setzt sich zusammen aus einer laufenden Beobachtung (in der Regel vierteljährlich) und einer jährlichen Besichtigung. Die wesentlich umfangreichere Bauwerksprüfung erfolgt alle drei Jahre als sogenannte "einfache Prüfung" und alle sechs Jahre als sogenannte "Hauptprüfung". Hierbei werden nicht nur der Brückenüberbau mit seiner Stahl- bzw. Betonkonstruktion, der Korrosionsschutz, die Brückenfahrbahn mit den zugehörigen Verkehrseinrichtungen, sondern auch die Fahrbahnübergänge, die Brückenlager, die Brückenpfeiler und Widerlager einer genauen Überprüfung ihres Zustandes unterzogen. Darüber hinaus fließen die Ergebnisse vermessungstechnischer Kontrollmessungen in die Zustandsbewertung der Bauwerke ein.


Zur Durchführung der Brückenprüfungen setzt das WSA Uelzen ein spezielles Brückenuntersuchungsschiff ein. Dieses Fahrzeug mit einer Länge von 22 m und einer Breite von 6,40 m ist mit einem Hubsteiger ausgerüstet. So ist es dem Brückenprüfingenieur möglich, vom Wasser aus sämtliche Konstruktionsteile des Brückenüberbaus zu erreichen und gezielt zu prüfen. Durch Stelzen , die sich auf der Gewässersohle abstützen, wird dabei eine besonders ruhige Lage des Schiffes und des Hubsteigers erreicht.
Das selbstfahrende Brückenuntersuchungsschiff wird nicht nur an den Brücken des MLK und des ESK, sondern auch an weiteren Wasserstraßen, wie der Weser eingesetzt. Das Fahrzeug ist mit zwei Mann ständiger Besatzung im Einsatz, die auch die Fahrten zwischen den einzelnen zu prüfenden Brücken durchführen. Der Brückenprüfingenieur kommt nur für die eigentliche Prüfung an Bord.

Bei jeder Brückenprüfung wird ein spezielles Prüfprotokoll angefertigt, in das evtl. festgestellte Mängel eingetragen werden. Im Sachbereich 2 des WSA Uelzen wird anschließend festgelegt, wie und durch wen die Mängelbeseitigung erfolgt. Hierfür kommt entweder der zuständige Außenbezirk oder bei größeren Mängeln und Schäden nach Ausschreibung und Vergabe ein geeignetes Bauunternehmen in Frage.